Kurz und einfach erklärt
Zieht Ihr Shop auf einen neuen Server um, dauert das eine Weile. In dieser Zeit laufen der alte und der neue Server. Beide können Bestellungen annehmen.
Ohne Plan können dabei Bestellungen verloren gehen. Auch Aufgaben im Hintergrund oder Meldungen zu Zahlungen können doppelt laufen oder fehlen.
Der Beitrag zeigt einen sicheren Ablauf. Dazu gehören ein Probelauf und ein kurzer Stopp für neue Daten. Der alte Server bleibt bis zum Ende in der Überwachung.
Wir planen den Umzug mit Ihnen auf Grundlage Ihres Wartungsvertrags.
Ein Serverumzug sieht auf dem Plan aus wie ein einziger Handgriff: Daten kopieren, DNS-Eintrag ändern, fertig. Im Betrieb eines Shops ist er ein Zeitraum, kein Zeitpunkt. Zwischen dem ersten Datenbankabzug und dem Moment, in dem wirklich jeder Besucher beim neuen Server ankommt, liegen Stunden bis Tage - und in dieser Zeit laufen zwei Maschinen mit derselben Anwendung. Die alte nimmt weiter Bestellungen an, solange Resolver ihre Adresse ausliefern. Beide führen Cronjobs aus, wenn niemand sie abgestellt hat. Zahlungsdienstleister melden Zahlungseingänge an die Adresse, die sie gerade auflösen. Und wenn die alten Nameserver mit dem Vertrag verschwinden, dürfen Resolver abgelaufene Antworten weiter ausliefern - die Spezifikation schlägt für diese Nachfrist 1 bis 3 Tage (RFC 8767) vor. Wer nur den DNS-Eintrag umzieht, zieht die Bestellungen dieser Tage nicht mit.
Das Wichtigste in Kürze
- Die TTL der DNS-Einträge wird nicht am Umzugstag gesenkt, sondern mit Vorlauf: mindestens eine Woche (Google Search Central) vorher, damit die alten, langen Werte bis zum Umschalten aus den Caches gelaufen sind.
- Sind die alten Nameserver nicht mehr erreichbar, dürfen Resolver abgelaufene Antworten weiter ausliefern. RFC 8767 schlägt dafür 1 bis 3 Tage (RFC 8767) vor - so lange muss der alte Server noch sinnvoll antworten.
- Zwischen Erstabzug und Umschalten entstehen Bestellungen nur auf dem alten Server. Ein angekündigter Schreibstopp mit Endabgleich schließt diese Lücke; ohne ihn fehlen sie im neuen System.
- Cronjobs, Warteschlangen-Worker und Exporte laufen zu keinem Zeitpunkt auf zwei Maschinen zugleich. Doppelte Läufe erzeugen doppelte Mails, doppelte Exporte an die Warenwirtschaft und doppelte Buchungen.
- Mails und Zertifikate hängen an der Adresse: Der SPF-Eintrag muss die neue Adresse unter der Grenze von 10 DNS-Abfragen (RFC 7208) aufnehmen, und das Zertifikat muss vor dem Umschalten auf dem neuen Server gültig sein.
- Abgeschaltet wird der alte Server erst, wenn sein Protokoll keinen Verkehr mehr zeigt (Google Search Central). Abgenommen ist der Umzug erst nach einer Testbestellung, die ohne Handgriff durchläuft.
Warum ein Umzug Bestellungen kostet
Ein Shop ist keine statische Website. Er schreibt ununterbrochen: Bestellungen, Warenkörbe, Kundenkonten, Lagerbestände, Zahlungsstatus, Protokolle. Jede Kopie seiner Datenbank ist in dem Moment veraltet, in dem sie fertig ist. Beim Umzug einer statischen Seite spielt das keine Rolle - ob ein Besucher die alte oder die neue Maschine erreicht, er sieht dieselben Inhalte. Bei einem Shop entscheidet genau diese Frage darüber, in welcher Datenbank eine Bestellung landet. Und solange beide Maschinen erreichbar sind und beide Bestellungen annehmen, gibt es zwei Wahrheiten, die niemand zusammenführt.
Die Folgen zeigen sich selten am Umzugstag selbst. Sie tauchen Tage später auf: als Kundin, die eine Bestellbestätigung vorweisen kann, zu der es im System keinen Auftrag gibt. Als Zahlung, die beim Zahlungsdienstleister als erfolgreich gilt, während die Bestellung im neuen Shop auf „offen“ steht. Als Versandetikett, das zweimal gedruckt wurde, weil der Export auf beiden Servern lief. Wer den Umzug nur als DNS-Aufgabe plant, sieht keinen dieser Fehler kommen. Die DNS-Ebene selbst beschreibt der Beitrag zur DNS-Wartung mit DNSSEC und Registrar-Lock; hier geht es um die Anwendung darüber.
Vier Wege, auf denen eine Bestellung verloren geht
Was DNS beim Umschalten wirklich tut
Ein DNS-Eintrag trägt eine Lebensdauer, die TTL. Sie sagt jedem Resolver, wie lange er die Antwort zwischenspeichern darf, bevor er erneut fragen muss. Ändert sich die Adresse des Shops, sehen Besucher die neue Adresse erst, wenn die zwischengespeicherte alte Antwort abgelaufen ist. Steht die TTL auf einem Tag, kann ein Teil der Besucher einen ganzen Tag lang beim alten Server landen - und dort bestellen. Deshalb wird die TTL vor dem Umzug gesenkt, und zwar mit Vorlauf: Die Senkung wirkt erst, wenn der alte, lange Wert aus den Caches gelaufen ist. Google Search Central rät, die TTL auf einen zurückhaltend niedrigen Wert von einigen Stunden zu senken, und zwar mindestens eine Woche (Google Search Central) vor dem Umzug. Kurz vor dem Umschalten darf der Wert weiter sinken; entscheidend ist, dass der alte Wert bis dahin abgelaufen ist.
Die TTL ist aber nicht die ganze Geschichte. RFC 8767 beschreibt ein Verfahren namens Serve-Stale: Kann ein Resolver die zuständigen Nameserver nicht erreichen, darf er abgelaufene Einträge weiter ausliefern, statt gar keine Antwort zu geben. Die Spezifikation schlägt vor, solche Einträge 1 bis 3 Tage (RFC 8767) über ihr Ablaufdatum hinaus vorzuhalten, und begrenzt TTL-Werte generell mit einer empfohlenen Obergrenze von 7 Tagen (RFC 8767). Eine so ausgelieferte veraltete Antwort trägt eine kurze TTL, empfohlen sind 30 Sekunden (RFC 8767). Der Resolver fragt also bald wieder - bekommt aber, solange die Nameserver schweigen, erneut die alte Antwort.
Für den Umzug heißt das: Serve-Stale wird genau dann relevant, wenn mit dem Server auch die Nameserver wechseln, etwa weil der alte Hoster die Zone verwaltet und sie mit dem Vertragsende löscht oder seine Nameserver für die Domain nicht mehr antworten. Resolver, die den alten Eintrag noch im Speicher haben, liefern ihn dann weiter aus. Der alte Server muss in diesem Zeitraum also erreichbar bleiben und etwas Sinnvolles tun. Wer die Zone zu einem neuen Anbieter umzieht, lässt sie deshalb beim alten Anbieter mit den neuen Einträgen stehen, bis die neue Delegation überall angekommen ist.
| Phase | Was im DNS passiert | Was der alte Server tun muss |
|---|---|---|
| Vorlauf | Die TTL sinkt, mindestens eine Woche (Google Search Central) vor dem Umzug | Normal weiterarbeiten und Bestellungen annehmen |
| Schreibstopp | Die Einträge zeigen noch auf den alten Server | Keine Bestellungen mehr annehmen, Endabgleich ermöglichen |
| Umschalten | Die neue Adresse ist veröffentlicht, alte Antworten altern in den Caches aus | Anfragen an den neuen Server weiterreichen |
| Nachlauf | Bei unerreichbaren Nameservern veraltete Antworten bis zu 1 bis 3 Tage (RFC 8767) nach Ablauf | Weiterleitung halten, Protokolle auswerten |
| Abschalten | Der Verkehr auf dem alten Server ist bei null (Google Search Central) angekommen | Endsicherung ziehen, archivieren, dann abschalten |
Die Tabelle zeigt, warum ein Umzug zwei Enden hat. Das vordere ist planbar und liegt beim Betreiber: TTL, Termin, Schreibstopp. Das hintere liegt bei fremden Resolvern in den Netzen der Kunden, der Zahlungsdienstleister und der Suchmaschinen. Ob ein Resolver Serve-Stale einsetzt, wie lange er veraltete Einträge hält und ob er die TTL genau einhält, entscheidet sein Betreiber. Planbar ist nur, dass der alte Server in dieser Zeit richtig reagiert.
Datenbank: Erstabzug, Schreibstopp, Endabgleich
Die Datenbank ist der Teil des Umzugs, der Bestellungen verliert, wenn er als einmalige Kopie behandelt wird. Das belastbare Verfahren hat drei Schritte. Der Erstabzug läuft Tage vor dem Termin im laufenden Betrieb: Er befüllt den neuen Server, dient als Probelauf und misst, wie lange Export, Übertragung und Import tatsächlich dauern. Mit diesem Bestand wird der neue Shop durchgespielt - Katalog, Suche, Warenkorb, Checkout im Testmodus, Rechnungserstellung. Fehler aus diesem Probelauf kosten nichts, weil noch kein Kunde den neuen Server sieht.
Am Umzugstag folgt der Schreibstopp. Der alte Shop nimmt ab diesem Moment keine Bestellungen mehr an: Checkout und Kundenkonto zeigen eine Wartungsseite, der Katalog bleibt auf Wunsch lesbar. Die Verwaltung wird gesperrt, damit niemand im Hintergrund Preise, Bestände oder Aufträge ändert. Dann läuft der Endabgleich: entweder ein zweiter vollständiger Abzug, wenn der Probelauf gezeigt hat, dass er schnell genug ist, oder die Übernahme aller Änderungen seit dem Erstabzug. Welche Variante passt, entscheidet die im Probelauf gemessene Dauer, nicht die Hoffnung. Vor dem Schreibstopp gehört ein geprüfter Sicherungsstand dazu, wie ihn der Backup-Service vorsieht - er ist der Rückweg, falls der Endabgleich scheitert.
Der Schreibstopp ist der teuerste Moment - und der günstigste Schutz
Neben der Datenbank ziehen Dateien mit: Produktbilder, hochgeladene Dokumente, erzeugte Rechnungen und Lieferscheine. Auch sie werden zweimal übertragen - einmal vollständig beim Erstabzug, einmal als Differenz im Schreibstopp. Eine Rechnung, die nach dem Erstabzug erzeugt wurde, existiert sonst nur auf dem alten Server. Dasselbe gilt für Sitzungen: Liegen sie in Dateien statt in der Datenbank, verlieren Kunden beim Umschalten ihren Warenkorb. Das ist kein Datenverlust im engeren Sinn, aber ein abgebrochener Kauf, der sich durch die Ankündigung des Fensters vermeiden lässt. Zuletzt gehören Suchindex und Zwischenspeicher auf dem neuen Server nach dem Endabgleich neu aufgebaut, damit Katalog und Preise dem übertragenen Stand entsprechen.
Der alte Server nach dem Umschalten
Der folgenreichste Fehler im Ablauf ist das sofortige Abschalten. Es wirkt konsequent: Die Daten sind übertragen, der DNS-Eintrag zeigt auf den neuen Server, also wird der alte gekündigt. Tatsächlich erreichen ihn danach noch Besucher, deren Resolver die alte Antwort gespeichert haben, dazu Rückmeldungen von Dienstleistern und Anfragen von Suchmaschinen. Ist er abgeschaltet, laufen diese Anfragen ins Leere. Läuft er unverändert weiter, ist es schlimmer: Dann nimmt er Bestellungen an, die im neuen System nicht ankommen.
Der alte Server bekommt deshalb nach dem Umschalten eine neue Rolle. Die sauberste ist die einer Weiterleitung: Er reicht jede Anfrage an den neuen Server durch, sodass Besucher und Dienstleister unabhängig von ihrem Resolver bei der neuen Anwendung ankommen. Wo das nicht möglich ist, bleibt er im Nur-Lesen-Zustand: Katalog sichtbar, Checkout, Kundenkonto und Rückmeldepfade gesperrt, mit einer Antwort, die einen vorübergehenden Fehler meldet. Google Search Central empfiehlt, die Protokolle beider Server zu beobachten und den alten erst abzuschalten, wenn der Verkehr dort auf null (Google Search Central) gefallen ist.
Weiterleitung
Der alte Server reicht alle Anfragen an den neuen durch. Besucher mit veralteter DNS-Antwort landen trotzdem in der neuen Anwendung, und in die alte Datenbank wird nichts mehr geschrieben.
Nur Lesen
Wo keine Weiterleitung möglich ist: Datenbank schreibgeschützt, Checkout und Kundenkonto gesperrt. Der Katalog bleibt sichtbar, Bestellungen entstehen nur noch auf dem neuen Server.
Protokolle beider Seiten
Die Zugriffe auf dem alten Server werden täglich ausgewertet. Sie zeigen, welche Resolver, Dienstleister und Suchmaschinen noch die alte Adresse nutzen.
Nameserver und Zone
Wechselt der DNS-Anbieter mit, bleibt die Zone beim alten Anbieter mit den neuen Einträgen bestehen, bis die neue Delegation überall angekommen ist.
Zertifikat und Zugänge
Die Weiterleitung braucht auf dem alten Server weiter ein gültiges Zertifikat. Verwaltungszugänge werden dort dagegen sofort gesperrt.
Abschaltkriterium
Abgeschaltet wird nach einer messbaren Bedingung, nicht nach dem Kalender: kein Verkehr mehr im Protokoll, alle Rückmeldungen zugeordnet, Endsicherung archiviert.
Die Endsicherung des alten Servers gehört ins Archiv, bevor die Maschine gelöscht wird. Sie ist dann in der Regel der einzige Nachweis, falls sich Wochen später eine Bestellung meldet, die im neuen System fehlt. Bei gemieteten Servern endet der Vertrag meist zu einem festen Termin; den Kündigungstermin deshalb so legen, dass nach dem Umschalten genug Nachlauf bleibt, statt den Umzugstermin an die Kündigungsfrist zu binden. Wer zugleich die Zuständigkeiten zwischen Hoster und Wartung neu ordnet, findet die Abgrenzung im Beitrag Hoster oder Wartung: wer im Shop was aktualisiert.
Cronjobs, Webhooks, Mails und Zertifikate
Mit dem Server wird alles kopiert, was zeitgesteuert läuft: Crontab-Einträge, Systemtimer, die geplanten Aufgaben des Shopsystems und die Worker, die Warteschlangen abarbeiten. Nach dem Kopieren sind sie auf beiden Maschinen aktiv - und arbeiten gegen zwei Datenbanken oder, schlimmer, gegen dieselben externen Ziele. Der Bestellexport geht zweimal an die Warenwirtschaft, der Newsletter zweimal an die Liste, die Zahlungsabstimmung läuft doppelt. Die Regel ist einfach und geht im Umzugsstress leicht unter: Hintergrundaufgaben laufen zu jedem Zeitpunkt auf höchstens einer Maschine. Auf dem neuen Server bleiben sie bis zum Umschalten aus, auf dem alten werden sie mit dem Schreibstopp abgestellt. Wie sich stille Ausfälle solcher Aufgaben erkennen lassen, beschreibt der Beitrag zu Cronjobs und Hintergrundjobs im Shop.
Zahlungs- und Versanddienstleister melden Statusänderungen an eine hinterlegte Adresse. Sie lösen diesen Namen selbst auf, mit eigenen Resolvern und eigenen Caches. Erreicht eine Rückmeldung den alten Server und nimmt dieser sie an, gilt sie beim Dienstleister als zugestellt - der Zahlungsstatus steht dann aber in der alten Datenbank. Lehnt der alte Server sie dagegen mit einem Fehler ab, wiederholen Dienstleister die Zustellung in der Regel nach ihren eigenen Regeln. Die Weiterleitung aus dem vorigen Abschnitt löst beides. Zusätzlich gehört jede hinterlegte Rückmeldeadresse auf den Prüfstand, ebenso jede Freigabe nach IP-Adresse: Schnittstellen von Warenwirtschaft, Versand oder Marktplätzen lassen Anfragen oft nur von bekannten Adressen zu, und der neue Server hat eine neue. Wie diese Schnittstellen gepflegt werden, steht im Beitrag zu Zahlungs-APIs und Webhook-Fehlern.
Retries continue until the message is transmitted or the sender gives up; the give-up time generally needs to be at least 4-5 days.
Beim Mailversand verschiebt der Umzug die Absenderadresse. Versendet der Shop Bestellbestätigungen direkt vom Server, muss dessen neue IP-Adresse im SPF-Eintrag der Domain stehen, bevor die erste Mail hinausgeht, und der DKIM-Schlüssel muss mit umziehen. Beim SPF-Eintrag lauert eine harte Grenze: Die Auswertung darf höchstens 10 DNS-Abfragen (RFC 7208) auslösen, sonst endet sie mit einem dauerhaften Fehler. Wer für den Umzug einfach einen weiteren include-Eintrag ergänzt, kann diese Grenze überschreiten und damit die Prüfung aller Mails der Domain scheitern lassen. Liegen auch Postfächer beim alten Hoster, gilt für eingehende Mails dieselbe Logik wie bei Rückmeldungen: Ist der alte Mailserver nicht erreichbar, geht zunächst nichts verloren, denn ein sendender Server stellt die Mail zurück und versucht es später erneut. RFC 5321 empfiehlt dafür einen Abstand von mindestens 30 Minuten (RFC 5321) zwischen zwei Versuchen und eine Frist bis zum Aufgeben von mindestens 4 bis 5 Tagen (RFC 5321). Nimmt der alte Server dagegen weiter an, landen die Mails im alten Postfach und müssen dort abgeholt werden, bevor es gelöscht wird. Mehr zur Zustellbarkeit steht im Beitrag zu DMARC und Shop-Mails.
Das Zertifikat muss auf dem neuen Server gültig sein, bevor der erste Besucher ihn erreicht. Hier steckt eine Falle im Ablauf: Bei der verbreiteten HTTP-Prüfung nach dem ACME-Verfahren ruft die Zertifizierungsstelle eine Prüfdatei unter der Domain ab, und diese Anfrage geht an Port 80 (RFC 8555) des Servers, auf den die Domain gerade zeigt - vor dem Umschalten also an den alten. Ein neues Zertifikat lässt sich auf diesem Weg erst nach dem Umschalten ausstellen, und bis dahin sehen die ersten Besucher eine Zertifikatswarnung. Drei Auswege: das bestehende Zertifikat samt Schlüssel übernehmen, die Prüfung über einen DNS-Eintrag führen oder den Prüfpfad auf dem alten Server an den neuen weiterreichen. Nach dem Umzug läuft die automatische Erneuerung nur noch auf dem neuen Server; wie die Zertifikatsverwaltung das überwacht, ist Teil der laufenden Betreuung.
#!/usr/bin/env bash
# Umzugsabgleich: Bestellungen, Cronjobs und DNS-Antworten beider Server gegenüberstellen
set -euo pipefail
ALT="shop-alt" # SSH-Alias des alten Servers
NEU="shop-neu" # SSH-Alias des neuen Servers
DOMAIN="shop.example"
ZIEL_IP="203.0.113.20" # Adresse des neuen Servers
ABZUG="2026-10-09 21:00:00" # Zeitpunkt des Erstabzugs
RESOLVER="192.0.2.53 198.51.100.53" # Resolver, deren Antwort geprüft wird
# Tabellen- und Spaltennamen je Shopsystem anpassen
SQL="SELECT DISTINCT order_number FROM \`order\` WHERE created_at >= '${ABZUG}' ORDER BY order_number;"
printf '%s\n' "$SQL" | ssh "$ALT" mysql -N shop | sort > bestellungen-alt.txt
printf '%s\n' "$SQL" | ssh "$NEU" mysql -N shop | sort > bestellungen-neu.txt
echo "Bestellungen nur auf dem alten Server:"
comm -23 bestellungen-alt.txt bestellungen-neu.txt
for host in "$ALT" "$NEU"; do
aktiv=$(ssh "$host" "crontab -l 2>/dev/null | grep -Ecv '^[[:space:]]*(#|$)'" || true)
echo "${host}: ${aktiv:-0} aktive Cron-Zeilen"
done
for r in $RESOLVER; do
antwort=$(dig +short @"$r" "$DOMAIN" A | tail -n1)
if [ "$antwort" = "$ZIEL_IP" ]; then stand="neu"; else stand="ALT"; fi
echo "Resolver ${r}: ${antwort:-keine Antwort} (${stand})"
done
Das Skript beantwortet die drei Fragen, die nach dem Umschalten zählen: Gibt es Bestellungen, die nur auf dem alten Server existieren? Laufen irgendwo noch Cronjobs doppelt? Welche Resolver liefern noch die alte Adresse? Im Nachlauf läuft es mehrmals täglich, bis die erste Liste leer ist, nur noch ein Server aktive Cron-Zeilen meldet und alle geprüften Resolver die neue Adresse liefern.
Das Umzugsdrehbuch in sieben Schritten
Bestand und Termin
Alles erfassen, was am Server hängt: Anwendung, Datenbank, Dateien, Cronjobs, Worker, Mailversand, Zertifikate, Rückmeldeadressen und IP-Freigaben bei Partnern. Den Termin in die umsatzschwächste Zeit legen und nicht in eine Aktionswoche.
TTL senken
Die TTL der betroffenen Einträge mindestens eine Woche (Google Search Central) vorher senken. Wechselt der DNS-Anbieter mit, die Zone beim neuen Anbieter vorbereiten und die Übergabe so planen, dass die alte Zone bis zum Ende des Nachlaufs erhalten bleibt.
Erstabzug und Probelauf
Datenbank und Dateien kopieren, den neuen Shop über einen Testzugang vollständig durchspielen und die Dauer von Export, Übertragung und Import messen. Aus dieser Messung ergibt sich die Länge des Schreibstopps.
Schreibstopp
Checkout, Kundenkonto, Verwaltung und Rückmeldepfade auf dem alten Server sperren, Cronjobs und Worker dort abstellen, einen geprüften Sicherungsstand ziehen.
Endabgleich und Umschalten
Die Differenz von Datenbank und Dateien übernehmen, die Bestellungen seit dem Erstabzug auf beiden Seiten vergleichen, dann den DNS-Eintrag umstellen und die Hintergrundaufgaben auf dem neuen Server einschalten. Der alte Server wechselt in die Weiterleitung.
Abnahme per Testbestellung
Direkt nach dem Umschalten eine echte Bestellung von der Produktseite bis zur Bestätigungsmail, mit Zahlungsrückmeldung, Export und Rechnung. Solange sie nicht vollständig durchläuft, bleibt der Rückweg offen.
Nachlauf und Abschalten
Protokolle des alten Servers täglich auswerten und den Abgleich wiederholen. Abschalten erst, wenn der Verkehr bei null (Google Search Central) angekommen und die Endsicherung archiviert ist.
Alles erfassen, was am Server hängt: Anwendung, Datenbank, Dateien, Cronjobs, Worker, Mailversand, Zertifikate, Rückmeldeadressen und IP-Freigaben bei Partnern. Den Termin in die umsatzschwächste Zeit legen und nicht in eine Aktionswoche.
Die TTL der betroffenen Einträge mindestens eine Woche (Google Search Central) vorher senken. Wechselt der DNS-Anbieter mit, die Zone beim neuen Anbieter vorbereiten und die Übergabe so planen, dass die alte Zone bis zum Ende des Nachlaufs erhalten bleibt.
Datenbank und Dateien kopieren, den neuen Shop über einen Testzugang vollständig durchspielen und die Dauer von Export, Übertragung und Import messen. Aus dieser Messung ergibt sich die Länge des Schreibstopps.
Checkout, Kundenkonto, Verwaltung und Rückmeldepfade auf dem alten Server sperren, Cronjobs und Worker dort abstellen, einen geprüften Sicherungsstand ziehen.
Die Differenz von Datenbank und Dateien übernehmen, die Bestellungen seit dem Erstabzug auf beiden Seiten vergleichen, dann den DNS-Eintrag umstellen und die Hintergrundaufgaben auf dem neuen Server einschalten. Der alte Server wechselt in die Weiterleitung.
Direkt nach dem Umschalten eine echte Bestellung von der Produktseite bis zur Bestätigungsmail, mit Zahlungsrückmeldung, Export und Rechnung. Solange sie nicht vollständig durchläuft, bleibt der Rückweg offen.
Protokolle des alten Servers täglich auswerten und den Abgleich wiederholen. Abschalten erst, wenn der Verkehr bei null (Google Search Central) angekommen und die Endsicherung archiviert ist.
Die Reihenfolge ist nicht beliebig. Wer die TTL erst am Umzugstag senkt, verlängert den Nachlauf um den alten Wert. Wer die Cronjobs auf dem neuen Server vor dem Umschalten einschaltet, erzeugt doppelte Läufe auf einem veralteten Datenstand. Und wer den Schreibstopp streicht, macht aus dem Endabgleich eine Suche ohne klares Ende. Die Testbestellung liegt bewusst nach dem Umschalten: Vorher erreichen die Zahlungsrückmeldungen noch den alten Server, ein Test über einen lokalen Adresseintrag prüft also nur die Hälfte des Weges.
Abnahme: woran ein gelungener Umzug zu erkennen ist
Ein Umzug ist abgeschlossen, wenn sich das nachweisen lässt, nicht wenn die Startseite lädt. Die Startseite lädt auch dann, wenn der Checkout auf eine veraltete Schnittstelle zeigt, der Bestellexport nicht läuft und die Bestätigungsmails im Spamordner landen. Die Abnahme prüft deshalb die Wege, auf denen Umsatz entsteht, und die Stellen, an denen er verloren gehen kann.
- Testbestellung von der Produktseite bis zur Bestätigungsmail durchgespielt, mit einer echten Zahlungsart.
- Zahlungsrückmeldung im neuen System angekommen: Die Testbestellung steht auf „bezahlt“, ohne dass jemand nachgeholfen hat.
- Bestellexport an Warenwirtschaft oder Versand genau einmal ausgelöst, Lagerbestand genau einmal gebucht.
- Bestätigungsmail zugestellt, SPF- und DKIM-Prüfung laut Kopfzeilen der Mail bestanden.
- Bestellungen seit dem Erstabzug auf beiden Servern verglichen, keine Bestellung nur auf dem alten Server.
- Cronjobs und Worker nur auf dem neuen Server aktiv, auf dem alten nachweislich abgestellt.
- Zertifikat auf dem neuen Server gültig, automatische Erneuerung dort eingerichtet und einmal ausgelöst.
- Freigaben nach IP-Adresse bei Partnern und Dienstleistern auf die neue Adresse umgestellt.
- Überwachung von Erreichbarkeit und Checkout auf den neuen Server umgestellt; der alte bleibt bis zum Abschalten mit im Monitoring.
- Endsicherung des alten Servers erstellt, einmal zurückgespielt und archiviert.
Die Testbestellung ist der wichtigste Punkt der Liste, weil sie fast alle anderen berührt. Sie zeigt, ob die Zahlungsrückmeldung den richtigen Server erreicht, ob der Export läuft und ob die Mail ankommt. Wie sich der Bestellweg danach dauerhaft beobachten lässt, beschreibt der Beitrag zum Checkout-Monitoring.
Wann ein Umzug Begleitung braucht
Für Shopbetreiber ist ein Umzug selten Routine. Er kommt in vielen Shops nur alle paar Jahre vor, meist ausgelöst durch einen Hosterwechsel, ein Vertragsende oder einen Unterbau, der aus der Herstellerpflege fällt. Wie das Supportende von Betriebssystem und Datenbank einen solchen Wechsel erzwingen kann, beschreibt der Beitrag zum Supportende im Unterbau. Wer den Ablauf nur einmal durchführt, lernt seine Fallen im Ernstfall kennen.
In einem Wartungsvertrag beginnt die Betreuung mit einer Bestandsaufnahme, die genau die Angaben liefert, die ein Umzug braucht: Server, Dienste, Cronjobs, Schnittstellen, Zertifikate und Zugänge. Wie diese Aufnahme abläuft, steht in der FAQ zum Onboarding eines bestehenden Projekts. Ob der bisherige Hosting-Anbieter dabei bleiben kann, klärt die Frage Kann ich meinen Hosting-Anbieter behalten? - ein Umzug ist also keine Voraussetzung für die Betreuung, aber ein häufiger Anlass.
Kein Rückweg
Ein Umzug ohne geprüften Sicherungsstand und ohne laufenden alten Server hat keinen Rückweg, wenn der neue nach dem Umschalten scheitert.
Viele Schnittstellen
Je mehr Anbindungen der Shop bedient - Warenwirtschaft, Versand, Marktplätze, Zahlungen -, desto mehr Rückmeldeadressen und Freigaben wandern mit.
Zwei Umgebungen
Unterschiedliche Fassungen von Betriebssystem, Skriptsprache oder Datenbank machen aus dem Umzug zugleich ein Update mit eigenem Testbedarf.
Große Datenbank
Dauert ein vollständiger Abzug länger als ein vertretbarer Schreibstopp, braucht der Endabgleich ein Differenzverfahren und einen Probelauf mehr.
Laufende Saison
Ein Umzug in der Hauptsaison verkürzt den möglichen Schreibstopp und erhöht den Schaden jeder Bestellung, die im falschen System landet.
Nachweispflicht
Wer Aufträge, Rechnungen und Zahlungsdaten aufbewahren muss, braucht die Endsicherung des alten Servers als dokumentierten Stand.
Für das Umschaltfenster selbst zählt Erreichbarkeit außerhalb der Geschäftszeiten, denn Umzüge laufen meist nachts oder am Wochenende. Der Notfall-Support deckt genau dieses Fenster ab, wenn nach dem Umschalten etwas anders reagiert als im Probelauf.
Quellen und Standards
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