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Wartung & Updates

Supportende im Unterbau: Betriebssystem und Datenbank

Debian 11, MariaDB 10.6 und MySQL 8.0 sind 2026 aus der Pflege gefallen. So erfassen Sie Distribution, Datenbank und PHP und planen die Sprünge mit Vorlauf.

17 Min. Lesezeit UpdatesWartungSicherheitsupdates

Kurz und einfach erklärt

Ihr Shop kann aktuell sein und trotzdem auf altem Unterbau laufen. Gemeint sind das Betriebssystem und die Datenbank des Servers.

Auch für diese Programme gibt es nur eine gewisse Zeit Updates. Danach bleiben Lücken offen.

Der Beitrag zeigt, wie man diese Fristen erfasst. Man führt eine Liste je Server mit den Enddaten. Den Wechsel plant man mit Vorlauf, einem Probelauf und einem Weg zurück.

Wir erfassen den Unterbau Ihrer Server und planen jeden Wechsel.

Ein Shop kann auf dem neuesten Stand sein und trotzdem auf einem Fundament stehen, für das niemand mehr Korrekturen ausliefert. Kern, Erweiterungen und Theme sind aktualisiert, das Wartungsprotokoll ist sauber - und darunter läuft ein Betriebssystem, dessen Pflege abgelaufen ist, neben einem Datenbankserver, für den keine Pakete mehr erscheinen. Im Jahr 2026 sind im Unterbau gleich drei solche Fristen verstrichen: Seit dem 21. April 2026 (Oracle) steht MySQL 8.0 nur noch unter Sustaining Support, am 6. Juli 2026 (MariaDB Foundation) endete die Community-Pflege für MariaDB 10.6, und am 31. August 2026 (Debian) lief die Langzeitpflege für Debian 11 aus. Keines dieser Daten erzeugt im Shop eine Meldung. Dieser Beitrag geht die Kette unter dem Shop Schicht für Schicht durch: was zu erfassen ist, welche Fristen als Nächstes anstehen, in welcher Reihenfolge die Sprünge sinnvoll sind und was beim Betreiber hängen bleibt, wenn der Server gemietet ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Debian 11 bekommt seit dem 31. August 2026 (Debian) keine Langzeitpflege mehr. Wer darauf einen Shop betreibt, braucht einen terminierten Sprung auf Debian 12 oder 13.
  • MariaDB 10.6 hat am 6. Juli 2026 (MariaDB Foundation) die Community-Pflege verlassen, MySQL 8.0 steht seit dem 21. April 2026 (Oracle) unter Sustaining Support. Oracle empfiehlt den Wechsel auf MySQL 8.4 LTS oder 9.7 LTS (Oracle).
  • Die Distribution legt oft fest, welche PHP- und Datenbankfassung läuft: Debian 11 bringt PHP 7.4 (Debian) und MariaDB 10.5 (Debian) mit, Debian 12 PHP 8.2 (Debian) und MariaDB 10.11 (Debian).
  • Die jüngste Version ist nicht immer die am längsten gepflegte: MariaDB 11.8 erhält Community-Binärpakete bis zum 4. Juni 2028 (MariaDB Foundation), die ältere 11.4 bis zum 29. Mai 2029 (MariaDB Foundation).
  • Die nächsten Fristen stehen fest: Ubuntu 22.04 verlässt die Standardpflege im Mai 2027 (Canonical), MariaDB 10.11 die Community-Pflege am 16. Februar 2028 (MariaDB Foundation), Debian 12 die LTS am 30. Juni 2028 (Debian).
  • Sinnvolle Reihenfolge der Sprünge: Datenbank, Betriebssystem, PHP, Shop. Jeder Schritt wird einzeln auf Staging geprobt, mit geprüfter Sicherung und festgelegtem Rückweg vor dem ersten Befehl.

Die Laufzeitkette unter dem Shop

Wenn von Shop-Updates die Rede ist, sind meist drei Dinge gemeint: der Kern des Shopsystems, die Erweiterungen und das Theme. Darunter liegt eine zweite Kette, die im Wartungsalltag seltener auftaucht, obwohl alles auf ihr steht. Ganz unten die Linux-Distribution mit Kernel, Systembibliotheken und Paketverwaltung. Darauf der Datenbankserver, meist MariaDB oder MySQL, der Bestellungen, Kundenkonten, Artikel und Sitzungen hält. Daneben die PHP-Laufzeit, aus der jede Seite erzeugt wird, und der Webserver, der Anfragen annimmt und an PHP weiterreicht. Jede dieser Schichten hat einen eigenen Hersteller, einen eigenen Veröffentlichungstakt und ein eigenes Enddatum.

Das Tückische an dieser Kette ist, dass ihre Fristen im Shop nicht sichtbar werden. Das Backend eines Shopsystems zeigt die eigene Version und meldet verfügbare Updates für Kern und Erweiterungen. Ob die Distribution darunter noch gepflegt wird, erfährt es nicht. Der Datenbankserver beantwortet Abfragen nach seinem Enddatum genauso schnell wie davor. Der Unterschied liegt allein darin, dass für neu entdeckte Lücken keine Korrektur mehr erscheint - und das bemerkt man erst, wenn eine solche Lücke ausgenutzt wird.

Wie weit Lauffähigkeit und Pflege auseinanderliegen können, zeigt die Anforderungsseite von WordPress. Empfohlen werden dort PHP ab 8.3 (WordPress.org) sowie MariaDB ab 10.11 oder MySQL ab 8.0 (WordPress.org). Zugleich hält dieselbe Seite fest, dass WordPress in älteren Umgebungen auch mit PHP 7.4 und MySQL 5.5.5 (WordPress.org) noch läuft - mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass diese Versionen ihr offizielles Lebensende erreicht haben und die Website Sicherheitslücken aussetzen können. Ein Shop auf solcher Grundlage funktioniert. Er ist nur nicht mehr gepflegt. Für die WordPress-Wartung mit Blick auf den Server heißt das: Die Prüfung endet nicht bei Kern und Plugins.

Lauffähig heißt nicht gepflegt

Ein Supportende ändert am laufenden System nichts. Es ändert, was nach dem Stichtag noch kommt: keine Sicherheitskorrekturen aus der regulären Pflege, keine neuen Pakete, keine Fehlerbehebung. Von außen ist dieser Zustand nicht zu sehen, und im Shop-Backend taucht er nicht auf.

Drei Fristen, die 2026 abgelaufen sind

Debian 11 wurde fünf Jahre lang gepflegt: drei Jahre regulär bis zum 14. August 2024 (Debian), danach zwei Jahre Langzeitpflege (LTS) bis zum 31. August 2026 (Debian). Die Release-Seite des Projekts verweist darauf, dass Dritte kostenpflichtige Sicherheitspflege für bullseye bis zum 30. Juni 2031 (Debian) anbieten. Das ist eine Brücke, kein Ziel: Sie verlängert die Frist, ersetzt den Sprung aber nicht und setzt einen Vertrag voraus, den jemand abschließen, bezahlen und auf jedem Server einrichten muss. Wer diesen Weg wählt, kauft Zeit für einen geplanten Umzug, keinen Dauerzustand.

MariaDB 10.6 ist am 6. Juli 2021 (MariaDB Foundation) erschienen und hat am 6. Juli 2026 (MariaDB Foundation) das Ende der Community-Pflege erreicht. Die MariaDB Foundation beschreibt ihre bisherige Regel so: Für Versionen bis einschließlich 11.4 werden Binärpakete fünf Jahre nach der allgemeinen Verfügbarkeit bereitgestellt (MariaDB Foundation). Für 10.6 nennt dieselbe Tabelle in den Spalten Enterprise und Extended spätere Daten. Für die frei verfügbaren Pakete ist die Spalte Community maßgeblich, und deren Datum ist verstrichen.

MySQL 8.0 steht nach der Lifetime-Support-Regel von Oracle seit dem 21. April 2026 (Oracle) unter Sustaining Support. Oracle selbst rät auf derselben Seite zum Wechsel auf MySQL 8.4 LTS oder 9.7 LTS (Oracle). Für die Planung ist das die entscheidende Aussage: Der Hersteller hat die Reihe 8.0 hinter sich gelassen und nennt die Nachfolger ausdrücklich. Auf weitere Korrekturen für 8.0 zu warten, ist kein Plan.

KomponenteEnde der PflegeArt der PflegeQuelle
MySQL 8.0seit 21. April 2026Sustaining SupportOracle
MariaDB 10.66. Juli 2026CommunityMariaDB Foundation
Debian 1131. August 2026LTSDebian
PHP 8.231. Dezember 2026SicherheitskorrekturenThe PHP Group
Ubuntu 22.04 LTSMai 2027Standard-SicherheitspflegeCanonical
MariaDB 10.1116. Februar 2028CommunityMariaDB Foundation
MariaDB 11.84. Juni 2028CommunityMariaDB Foundation
Debian 1230. Juni 2028LTSDebian
MariaDB 11.429. Mai 2029CommunityMariaDB Foundation
Ubuntu 24.04 LTSMai 2029Standard-SicherheitspflegeCanonical
Debian 1330. Juni 2030LTSDebian

Die Tabelle zeigt, warum ein Blick auf eine einzige Schicht nicht reicht. Zwischen April 2026 und Mai 2029 fällt in den meisten Halbjahren eine Frist, und sie betreffen verschiedene Schichten desselben Servers. Wer nur die PHP-Version im Blick hat, übersieht die Datenbank; wer nur das Betriebssystem kennt, weiß nicht, welche Datenbank aus welcher Quelle läuft.

Die nächsten Fristen von 2027 bis 2030

Debian 12 hat seine reguläre Pflege am 11. Juli 2026 (Debian) abgeschlossen und läuft seitdem in der Langzeitpflege, die am 30. Juni 2028 (Debian) endet. Debian 13 ist am 9. August 2025 (Debian) erschienen, seine LTS-Phase reicht bis zum 30. Juni 2030 (Debian). Wer im Herbst 2026 von Debian 11 aus springt, hat damit zwei Ziele mit sehr unterschiedlicher Restlaufzeit: Der Sprung auf Debian 12 bringt knapp zwei Jahre, der Sprung auf Debian 13 knapp vier. Der Aufwand unterscheidet sich weniger als die Laufzeit, denn beide Ziele verlangen einen Probelauf mit neuer PHP-Version.

Für Server auf Ubuntu gilt dieselbe Logik mit anderem Kalender. Ubuntu 22.04 LTS erhält Standard-Sicherheitspflege bis Mai 2027 (Canonical), die erweiterte Sicherheitspflege reicht bis Mai 2032 (Canonical) und läuft über das Abonnement Ubuntu Pro (Canonical). Ubuntu 24.04 LTS ist bis Mai 2029 (Canonical) in der Standardpflege, Ubuntu 26.04 LTS ist im April 2026 erschienen und bis Mai 2031 (Canonical) gepflegt. Die erweiterte Pflege ist ein eigener Baustein, der gebucht und auf jedem Server aktiviert sein muss. Ein Server, auf dem sie nur geplant, aber nicht eingerichtet ist, bekommt nach Mai 2027 keine Sicherheitskorrekturen aus der Standardpflege mehr.

Bei MariaDB steht die nächste große Frist für 10.11 an: Die Community-Pflege endet am 16. Februar 2028 (MariaDB Foundation). Das ist die Version, die Debian 12 mitbringt und die WordPress als Mindestempfehlung nennt. Sie betrifft also jeden Server, auf dem Debian 12 mit der Datenbank aus der Distribution läuft.

Nach Version 11.4 hat die MariaDB Foundation ihre Regel geändert. Bis einschließlich 11.4 gab es Binärpakete fünf Jahre lang (MariaDB Foundation). Für spätere Langzeitversionen stellt sie Community-Binärpakete nur noch drei Jahre (MariaDB Foundation) nach der allgemeinen Verfügbarkeit bereit und liefert Korrekturen für kritische und sicherheitsrelevante Fehler danach noch zwei weitere Jahre (MariaDB Foundation) als Quellcode. Die Folge steht in derselben Tabelle: MariaDB 11.8 ist neuer als 11.4, erhält aber nur bis zum 4. Juni 2028 (MariaDB Foundation) Community-Binärpakete, 11.4 dagegen bis zum 29. Mai 2029 (MariaDB Foundation). Die jüngste Version in der Tabelle, 12.3, ist im Mai 2026 erschienen und wird als Community-Version bis zum 12. Juni 2029 (MariaDB Foundation) gepflegt - kaum länger als 11.4.

Die jüngste Version ist nicht immer die langlebigste

Bei der Wahl des Sprungziels zählt das Enddatum, nicht die Versionsnummer. Das gilt für MariaDB mit ihrer geänderten Pflegeregel ebenso wie für Distributionen, deren Langzeitpflege je Version unterschiedlich lang ausfällt. Die Frage lautet also nicht, was das Neueste ist, sondern welche Version die Anforderungen des Shops erfüllt und dabei am längsten gepflegt wird.

Inventar je Schicht

Bevor ein Kalender entsteht, muss feststehen, was auf dem Server tatsächlich läuft. Die Angabe im Hostingvertrag reicht dafür nicht, denn sie beschreibt, was bei der Bereitstellung installiert war, nicht den Stand von heute. Für jede Schicht gehören drei Angaben ins Inventar: die genaue Version, die Herkunft der Pakete und das Enddatum aus der Herstellerquelle.

Distribution und Release

Name, Hauptversion und Punktrelease des Betriebssystems, dazu die eingetragenen Paketquellen. Eine zusätzliche Quelle eines Datenbank- oder PHP-Anbieters verändert, wer für diese Pakete zuständig ist.

Datenbankserver

Produkt, Version und Herkunft: aus der Distribution, aus dem Repository des Herstellers oder als eigener Dienst des Hosters. Jede Herkunft folgt einem eigenen Kalender.

PHP-Laufzeit

Version auf der Kommandozeile und im Webserver, denn beide können voneinander abweichen, dazu die Paketquelle. Die PHP-Version der Distribution ist an deren Release gebunden.

Webserver

Produkt, Version und die Konfiguration für TLS und die PHP-Anbindung. Er wird mit der Distribution aktualisiert und kann beim Sprung geänderte Voreinstellungen mitbringen.

Shop und Anforderungen

Kernversion, Erweiterungen und die Systemanforderungen der Zielversion. Sie legen fest, welche PHP- und Datenbankfassung mindestens vorhanden sein muss.

Zuständigkeit

Wer spielt welche Schicht ein: Hoster, Agentur oder Betreiber. Ohne schriftliche Zuordnung fühlt sich im Zweifel niemand für den Sprung verantwortlich.

Die meisten dieser Angaben lassen sich in wenigen Minuten direkt auf dem Server abfragen. Die folgenden Befehle gelten für Debian und Ubuntu; auf verwalteten Servern ohne Kommandozeile liefert der Hoster dieselben Angaben auf Nachfrage.

inventar.sh
# Distribution und Release
cat /etc/os-release

# Herkunft der Pakete: Distribution oder Zusatzquelle
apt-cache policy mariadb-server mysql-server php

# Datenbankserver
mariadb --version
mysql --version

# PHP auf der Kommandozeile (im Webserver per phpinfo gegenprüfen)
php -v

# Webserver
nginx -v
apache2 -v

Zwei Punkte dieser Ausgabe entscheiden über den weiteren Plan. Der erste ist die Herkunft der Pakete. Kommen PHP und Datenbank aus der Distribution, sind ihre Versionen an das Release gebunden: Debian 11 liefert als Standard-PHP die Version 7.4 (Debian) und als Datenbank MariaDB 10.5 (Debian), Debian 12 liefert PHP 8.2 (Debian) und MariaDB 10.11 (Debian). Der zweite ist die Frage, ob eine dieser Versionen beim Hersteller schon ausgelaufen ist. PHP 7.4 ist dort seit dem 28. November 2022 (The PHP Group) ohne Pflege, die Community-Pflege für MariaDB 10.5 endete am 24. Juni 2025 (MariaDB Foundation). Innerhalb der Distribution konnte deren Pflege solche Pakete weiter betreuen. Mit dem Ende der LTS-Phase entfällt auch diese Stütze.

Beim PHP-Projekt selbst ist der Takt fest: Jede Reihe wird zwei Jahre voll unterstützt (The PHP Group) und danach zwei weitere Jahre nur für kritische Sicherheitslücken (The PHP Group). Für PHP 8.2, die Version aus Debian 12, endet diese Sicherheitspflege am 31. Dezember 2026 (The PHP Group) - lange vor dem LTS-Ende von Debian 12. Wer die PHP-Pakete der Distribution nutzt, hängt damit an deren Pflege, nicht an der Frist auf php.net. Wie ein Wechsel der PHP-Version im Einzelnen geplant wird, beschreibt unser Beitrag zum PHP-Versionswechsel ohne Ausfall.

Wer MySQL oder PHP aus einem Repository des Herstellers bezieht, hat einen zweiten Kalender. Herstellerquellen folgen dem Lebenszyklus der Distribution, teils vor deren eigenem Enddatum: Oracle hat angekündigt, ab dem 1. Juli 2024 (Oracle) keine MySQL-Binärpakete mehr für Debian 11 zu bauen. Für einen Server, der MySQL auf diesem Weg bezog, endete der Nachschub aus der gewohnten Quelle damit laut Ankündigung rund zwei Jahre vor dem LTS-Ende. Wie die Datenbank im laufenden Betrieb gepflegt und überwacht wird, steht im Beitrag zur Datenbankwartung im laufenden Shopbetrieb.

Ein Fristenkalender mit Vorlauf

Aus dem Inventar wird ein Kalender. Jede Zeile trägt eine Komponente, ihre Version, das Enddatum mit Quelle und das Datum, an dem die Vorbereitung beginnen muss. Dieser zweite Termin ist der eigentlich wichtige. Ein Versionssprung im Unterbau braucht einen Probelauf, einen freigegebenen Termin, ein Wartungsfenster außerhalb der umsatzstarken Zeiten und Luft für einen zweiten Anlauf, falls der erste abgebrochen wird. Wer erst am Enddatum anfängt, arbeitet schon im ungepflegten Zustand.

Wie viel Vorlauf nötig ist, hängt am Umfang. Ein Sprung der Datenbank auf einem ansonsten unveränderten Server lässt sich in der Regel in einem Fenster erledigen. Ein Sprung des Betriebssystems mit neuer PHP-Version und geänderten Voreinstellungen im Webserver braucht meist mehrere Probeläufe. Für Shops mit Saisongeschäft kommt ein Änderungsstopp hinzu: Fällt ein Enddatum in den Spätherbst, gehört der Sprung vor das Weihnachtsgeschäft, nicht dahinter.

  • Komponente und genaue Version, so wie sie auf dem Server abgefragt wurde
  • Herkunft der Pakete: Distribution, Repository des Herstellers oder Dienst des Hosters
  • Enddatum mit Link auf die Herstellerquelle und dem Datum der letzten Kontrolle
  • Beginn der Vorbereitung, rückwärts vom Enddatum gerechnet
  • Zielversion mit eigenem Enddatum und den Anforderungen des Shops an sie
  • Zuständige Stelle, die den Sprung auslöst, durchführt und abnimmt

Der Kalender ist nur so gut wie seine Pflege. Herstellerfristen können verschoben oder präzisiert werden, und die MariaDB Foundation hat mit ihren Versionen nach 11.4 gezeigt, dass sich sogar die Regel ändern kann, nach der Fristen entstehen. Jede Zeile gehört darum regelmäßig gegen die Quelle geprüft, mindestens einmal im Quartal. Unter Sicherheitsupdates als laufende Leistung überwachen wir die eingesetzten Komponenten bis hinunter zu Betriebssystem, Webserver und PHP-Version. Ein solcher Kalender lässt sich dort einbinden, sodass Vorläufe gemeldet und Sprünge terminiert werden, bevor die Pflege endet.

Die Reihenfolge der Sprünge

Wenn mehrere Schichten gleichzeitig auslaufen, liegt es nahe, alles in einem Zug zu erneuern. Das spart ein Wartungsfenster und kostet im Fehlerfall die Diagnose: Zeigt der Shop nach einem Sammelsprung Fehler, kommen vier Ursachen infrage, und jede davon hat einen anderen Rückweg. Sinnvoller ist eine feste Reihenfolge, in der jeder Schritt einzeln geprüft wird, bevor der nächste beginnt.

Zuerst der Datenbankserver, weil er den Zustand des Shops hält. Ein Sprung der Hauptversion schreibt Systemtabellen und Datendateien um; zurück geht es danach in der Regel nur über die Sicherung. Vorher also ein vollständiger Abzug, der auf einem zweiten System erfolgreich eingespielt wurde, und danach ein Test der wichtigsten Abläufe: Bestellung anlegen, Suche, Export.

Diese Reihenfolge ist kein Dogma. Unterstützt der Shopkern die neue PHP-Version noch nicht, muss er zuerst gehoben werden, oder der PHP-Sprung wartet. Entscheidend ist, dass zu jedem Zeitpunkt nur eine Schicht verändert wird und der vorherige Zustand wiederherstellbar bleibt. Für Systeme mit eigenen Fristen im Kern, etwa TYPO3, Drupal oder Joomla, lohnt der Abgleich mit den Supportfristen der CMS-Hauptversionen, damit Kern und Unterbau nicht zweimal kurz hintereinander angefasst werden.

Probelauf auf Staging, Rückweg vorbereitet

Jeder dieser Sprünge wird zuerst auf einer Kopie gemacht. Die Kopie muss dem Produktivserver in den Punkten gleichen, auf die es ankommt: dieselbe Distribution, dieselbe Datenbankversion, dieselben PHP-Module, ein aktueller Datenstand. Eine Staging-Umgebung, die seit einem Jahr niemand angefasst hat, prüft den Sprung von einem Stand aus, den es in der Produktion nicht mehr gibt. Wie eine solche Umgebung aufgebaut und aktuell gehalten wird, beschreibt unser Beitrag zur Staging-Umgebung für sichere Updates.

Der Probelauf folgt einem Drehbuch, das später in der Produktion Schritt für Schritt wiederholt wird. Dazu gehören die Befehle in ihrer Reihenfolge, die Dauer jedes Schritts und die Prüfungen danach: Startseite, Kategorie, Artikel, Suche, Warenkorb, Checkout mit Testzahlung, Kundenkonto, Backend, Export an die Warenwirtschaft und geplante Aufgaben. Gemessen wird auch die Gesamtdauer, denn sie bestimmt die Länge des Wartungsfensters ohne Umsatzausfall.

Der Rückweg steht vor dem ersten Befehl

Vor dem Sprung in der Produktion liegt eine Sicherung vor, deren Wiederherstellung im Probelauf geklappt hat, dazu ein Abbild des Servers, wo der Hoster es anbietet. Festgelegt ist auch der Zeitpunkt, an dem abgebrochen wird: Läuft das Fenster ab, ohne dass alle Prüfungen bestanden sind, geht der Server auf den alten Stand zurück. Ohne geprüfte Sicherung gibt es keinen Rückweg - darum steht der Backup-Service mit Wiederherstellungstest vor jedem Sprung.

Ein Sonderfall ist der Neuaufbau. Statt den bestehenden Server Version für Version anzuheben, wird ein neuer Server mit dem Zielstand eingerichtet, der Shop dorthin übertragen und der alte Server als Rückweg stehen gelassen, bis der neue sich im Betrieb bewährt hat. Das kostet mehr Vorbereitung und einen Umzug der Daten, dafür bleibt der Ausgangszustand vollständig erhalten. Bei Sprüngen über zwei Distributionsversionen hinweg ist das oft der ruhigere Weg. Was geschieht, wenn ein Update trotz Probelauf scheitert, beantwortet unsere FAQ was bei einem fehlgeschlagenen Update passiert.

Managed Server oder eigener vServer: wer springt?

Wer für den Unterbau zuständig ist, entscheidet das Hostingmodell, und zwar genauer, als die Produktnamen vermuten lassen. Beim Managed Server übernimmt der Hoster in der Regel Betriebssystem und Webserver, häufig auch PHP und Datenbank. Beim eigenen vServer oder Root-Server liegt alles oberhalb der Virtualisierung beim Kunden. Dazwischen gibt es viele Mischformen: verwaltete Datenbankdienste, PHP-Versionen zum Umschalten im Kundenmenü, Upgrades des Betriebssystems nur auf Antrag. Maßgeblich ist der Vertrag, nicht der Name des Tarifs.

SchichtManaged ServerEigener vServer
Distribution und Kernelmeist Hoster, Termin oft vom Hoster vorgegebenBetreiber
DatenbankserverHoster oder Betreiber, je nach VertragBetreiber
PHP-VersionAuswahl oft beim Betreiber, Pakete beim HosterBetreiber
Webservermeist HosterBetreiber
Shopkern und ErweiterungenBetreiber oder AgenturBetreiber oder Agentur
Test und Freigabe nach dem SprungBetreiber oder AgenturBetreiber oder Agentur

Die letzte Zeile ist die, die in beiden Modellen beim Betreiber bleibt. Auch ein Hoster, der das Betriebssystem pflegt, testet nicht, ob der Checkout nach dem Datenbanksprung noch richtig rechnet oder ob eine Erweiterung mit der neuen PHP-Version Fehler wirft. Und der Termin des Sprungs ist beim Managed Server nicht immer frei wählbar: Hebt der Hoster eine Plattform zu einem festen Datum an, muss der Shop bis dahin bereit sein. Welche Pflichten im Einzelnen wo liegen, behandelt der Beitrag Hoster oder Wartung: wer im Shop was aktualisiert.

Einen Hosterwechsel braucht es dafür in den meisten Fällen nicht. Wir arbeiten mit der vorhandenen Umgebung, klären mit dem Hoster, welche Schicht dort liegt, und übernehmen die übrigen Schritte samt Probelauf und Test. Warum das so ist, steht in der Antwort auf die Frage, ob Sie Ihren Hosting-Anbieter behalten können.

Was ein aufgeschobener Sprung kostet

Die Rechnung für einen verschobenen Sprung sieht zunächst günstig aus: kein Probelauf, kein Wartungsfenster, keine Projektzeit. Sie kippt, sobald eine Lücke in einer Komponente bekannt wird, für die keine Korrektur mehr erscheint. Das Ausnutzen von Schwachstellen ist inzwischen der häufigste Erstzugang und liegt bei 31 % (Verizon) der ausgewerteten Vorfälle mit ermitteltem Erstzugang, vor dem Missbrauch von Zugangsdaten. Und selbst dort, wo Korrekturen vorliegen, dauert die vollständige Behebung kritischer Schwachstellen im Median 43 Tage (Verizon).

Die Gegenseite ist schneller. Zwischen der Aufnahme einer Schwachstelle in den Katalog aktiv ausgenutzter Lücken und ihrer massenhaften Ausnutzung liegen im Median fünf Tage (Verizon, Bericht 2025). Ein Server ohne Pflege nimmt an diesem Rennen gar nicht mehr teil: Für ihn kommt keine Korrektur, egal wie lange man wartet. Laufendes Monitoring des Shops meldet Ausfälle und Auffälligkeiten, ersetzt aber nicht den Kalender - ein Enddatum löst keinen Alarm aus.

Keine Korrektur mehr

Nach dem Enddatum wird eine neue Lücke bekannt, aber nicht mehr geschlossen. Der Server bleibt angreifbar, bis der Sprung erfolgt ist.

Kettenwirkung

Herstellerquellen stellen ältere Distributionen ein, neue Erweiterungen setzen neuere PHP-Versionen voraus. Eine veraltete Schicht blockiert die Updates der anderen.

Nachweis gegenüber Dritten

Wer Wartungsnachweise führen muss, etwa gegenüber einer Versicherung, braucht den Pflegestand jeder Schicht belegbar - nicht nur den des Shopkerns.

Dazu kommt ein Effekt, der sich erst beim Nachholen zeigt. Je länger ein Server steht, desto größer wird der Sprung: Aus einem Wechsel von Debian 11 auf 12 wird einer über zwei Versionen, aus einem PHP-Wechsel um eine Nebenversion einer über mehrere. Jeder zusätzliche Schritt vergrößert die Zahl der Stellen, an denen Erweiterungen, Konfiguration oder Datenbankabfragen brechen können. Der aufgeschobene Sprung wird also nicht billiger, sondern teurer - und er fällt dann oft in einen Zeitraum, den niemand dafür vorgesehen hat.

Der Unterbau im Wartungsvertrag

Fristen im Unterbau sind planbar, weil sie Jahre im Voraus veröffentlicht werden. Was fehlt, ist meist nicht die Information, sondern jemand, der sie regelmäßig abruft, mit dem Inventar abgleicht und den Sprung terminiert. Im Wartungsvertrag mit festen Reaktionszeiten lässt sich das als fester Bestandteil vereinbaren: Inventar je Server, Fristenkalender mit Vorlauf, Probelauf auf Staging, Sprung im abgestimmten Wartungsfenster und Abnahme mit Prüfliste danach. Ob der Hoster dabei bleibt, spielt für diese Arbeit keine Rolle.

Für Shops auf Shopware stehen Kernupdates und Unterbau damit im selben Kalender, sodass ein neuer Kern nicht an einer veralteten PHP- oder Datenbankversion scheitert. Wie die übrige Pflege des Shops abläuft, beschreibt die Seite zur Shopware-Wartung. Und wer heute noch auf Debian 11, MariaDB 10.6 oder MySQL 8.0 läuft, beginnt am besten mit dem Inventar: Es zeigt, welche der Fristen aus diesem Beitrag den eigenen Server betreffen.

Quellen und Studien

Dieser Artikel stützt sich auf Daten aus: Debian (Release-Seiten zu Debian 11, 12 und 13 sowie Paketdatenbank packages.debian.org), MariaDB Foundation (Pflegezeiträume der Langzeitversionen auf mariadb.org), Oracle (MySQL Product Support EOL Announcements), Canonical (Ubuntu Release Cycle), The PHP Group (Supported Versions und Unsupported Branches), WordPress.org (Requirements), Verizon (2026 Data Breach Investigations Report - Retail Snapshot und 2025 Data Breach Investigations Report). Alle Fristen wurden am 23. September 2026 gegen die genannten Quellen geprüft.

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