Kurz und einfach erklärt
Manche Programme legen in Shops viele falsche Konten an. Man nennt das Bot-Anmeldung. Die Konten dienen später für Werbung oder Betrug.
Falsche Konten stören den Newsletter. Mails kommen zurück. Oder sie gehen an fremde Leute. Auch die Zahl der neuen Kunden stimmt dann nicht.
Der Text zeigt, wie man falsche Konten erkennt. Er zeigt auch einfache Schutzmittel. Zum Beispiel eine Mail, die man erst bestätigen muss. Oder ein Feld, das nur ein Programm sieht.
Falsche Konten soll man mit Plan löschen. Bei Konten mit Kauf müssen die Belege wegen der Steuer länger bleiben.
Wir zählen in Ihrem Shop jeden Tag die neuen Konten. Gibt es plötzlich sehr viele, melden wir das.
Ein Registrierungsformular ist eine Einladung, und Skripte nehmen sie gern an. Springt die Zahl der Neukonten über Nacht auf ein Vielfaches, ohne dass Warenkörbe oder Bestellungen folgen, hat der Shop selten neue Kunden gewonnen. Meist arbeitet ein Programm das Formular in Serie ab. Die OWASP führt dieses Muster als eigene automatisierte Bedrohung unter der Kennung OAT-019 Account Creation und fasst den Zweck knapp zusammen: Konten werden massenhaft angelegt, um sie später zu missbrauchen (OWASP). Für einen Shop zeigt sich der Schaden an drei Stellen: in der Newsletterliste, in den Kennzahlen und bei Rabatten für Erstbesteller. Dieser Beitrag zeigt, woran sich Bot-Registrierungen erkennen lassen, welche Gegenmaßnahmen echte Kunden nicht ausbremsen, wie eine Bereinigung datenschutzkonform abläuft und wie eine Alarmschwelle die nächste Welle früh meldet.
Das Wichtigste in Kürze
- Automatisierte Massenregistrierungen führt die OWASP als eigene Bedrohung OAT-019 Account Creation (OWASP): Scheinkonten werden angelegt, um sie später etwa für Spam, Geld- und Warenwäsche oder verfälschte Bewertungen zu nutzen.
- Scheinkonten im Newsletter treiben Bounces und Spammeldungen. Google verlangt, eine Spamrate von 0,30 Prozent (Google) in den Postmaster Tools gar nicht erst zu erreichen; eine Bestätigungsmail vor dem ersten Versand hält fremde Adressen aus der Liste.
- Bot-Registrierungen erkennen Sie an Spitzen ohne Bestellungen, Wegwerf-Domains, Links im Namensfeld, vielen Konten aus derselben Adressgruppe und einem wachsenden Bestand unbestätigter Konten.
- Bestätigungsmail, Ratenbegrenzung mit Statuscode 429 (RFC 6585), ein unsichtbares Formularfeld und eine Zeitprüfung bremsen Skripte, ohne echte Kunden mit einem Bilderrätsel aufzuhalten.
- Beim Bereinigen unbestätigte Konten ohne Bestellung löschen und Konten mit Bestellung sperren, denn Buchungsbelege sind nach § 147 Abs. 3 AO acht Jahre (AO) aufzubewahren.
- Eine Alarmschwelle aus dem eigenen Normalverlauf je Stunde, ergänzt um den Anteil bestätigter Konten, meldet die nächste Welle, bevor der Newsletter an Scheinkonten geht.
Was hinter Scheinkonten steckt
Der OWASP-Eintrag beschreibt das Vorgehen als massenhafte Kontoerstellung über den regulären Registrierungsweg der Anwendung, teils samt ausgefülltem Profil. Als spätere Verwendung nennt er unter anderem Spam, das Waschen von Geld und Waren, die Verbreitung von Schadsoftware, Rufschädigung sowie verfälschte Bewertungen und Umfragen (OWASP). Zu den Synonymen auf derselben Seite gehören „Fake account“ und „Massive account registration“. Die Abgrenzung ist für die Abwehr wichtig: OAT-019 erzeugt neue Konten. Wer bestehende Konten mit gestohlenen Zugangsdaten übernimmt, folgt einem anderen Muster, das der Beitrag zu Account-Takeover und Kundenkonten behandelt.
Aufschlussreich sind die Schwachstellen, auf die der Eintrag verweist: fehlende Kontrolle der Interaktionshäufigkeit (CWE-799), fehlende Durchsetzung einer einmaligen Aktion (CWE-837) und eines vorgesehenen Ablaufs (CWE-841) (OWASP). Übersetzt in den Shopalltag heißt das: Die Lücke ist meist kein Programmierfehler. Das Formular funktioniert genau so, wie es gebaut wurde. Es lässt sich nur beliebig oft und beliebig schnell abschicken, ohne dass es jemand bemerkt.
Wie groß die Mengen werden können, zeigt ein Plattformbetreiber: Microsoft hat nach eigenen Angaben zwischen April 2024 und April 2025 rund 1,6 Millionen Bot-Registrierungsversuche pro Stunde blockiert (Microsoft). Die Zahl betrifft die Dienste des Konzerns und lässt sich nicht auf einen einzelnen Shop umrechnen. Sie zeigt aber, dass das Anlegen von Konten in großem Stil automatisiert betrieben wird. Ein Shop muss dafür kein prominentes Ziel sein. Es genügt, dass sein Formular ohne Hürde erreichbar ist und Skripte es finden.
Wofür Scheinkonten im Shop genutzt werden
Warum Scheinkonten Newsletter und Kennzahlen belasten
Bietet der Shop die Newsletteranmeldung direkt im Registrierungsformular an, landen Scheinkonten auch in der Empfängerliste. Für den Versand bedeutet das zweierlei: Adressen, die es nicht gibt, kommen als Bounce zurück. Echte Adressen, die ein Skript fremden Menschen untergeschoben hat, erhalten Werbung, die sie nicht bestellt haben, und melden sie als Spam.
Rechtlich ist der zweite Fall heikel. Nach § 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG ist Werbung per elektronischer Post ohne vorherige ausdrückliche Einwilligung des Adressaten eine unzumutbare Belästigung (UWG). Die Ausnahme für Bestandskunden in § 7 Abs. 3 UWG setzt unter anderem voraus, dass der Unternehmer die Adresse im Zusammenhang mit dem Verkauf einer Ware oder Dienstleistung erhalten hat (UWG). Ein Konto ohne Bestellung erfüllt das nicht. Beruht der Versand auf einer Einwilligung, muss der Verantwortliche nach Art. 7 Abs. 1 DSGVO zudem nachweisen können, dass sie erteilt wurde (DSGVO). Ein Häkchen, das ein Skript gesetzt hat, ist dafür ein schwacher Beleg.
Auch die Zustellbarkeit leidet. Google verlangt in seinen Richtlinien für E-Mail-Absender von allen, die an Gmail-Konten senden, die in den Postmaster Tools gemessene Spamrate unter 0,3 Prozent zu halten (Google). Als Richtwert empfiehlt dieselbe Seite, unter 0,10 Prozent zu bleiben und 0,30 Prozent gar nicht erst zu erreichen (Google). Für Absender, die mehr als 5.000 Nachrichten pro Tag an Gmail-Konten schicken, gelten seit dem 1. Februar 2024 zusätzliche Anforderungen (Google). Dieselbe Seite rät, jede Empfängeradresse vor der Aufnahme in eine Liste zu bestätigen und Empfänger mit mehreren Bounces automatisch auszutragen (Google). Der Branchenverband M3AAWG (Messaging, Malware and Mobile Anti-Abuse Working Group) wird konkreter: Wie viele Versendungen und welchen Zeitraum er ansetzt, entscheidet jeder Absender selbst; als bewährte Praxis gilt aber allgemein, eine Adresse von der Liste zu nehmen, wenn sie mindestens zweimal in Folge über zwei Wochen oder länger als unzustellbar zurückkommt (M3AAWG). Wie Authentifizierung und Zustellbarkeit der Shop-Mails zusammenhängen, beschreibt der Beitrag zu DMARC und Shop-Mails.
Der dritte Schaden ist leiser. Scheinkonten blähen die Zahl der Neukunden auf und drücken das Verhältnis von Registrierung zu Erstbestellung. Wer Kampagnen nach Neuregistrierungen bewertet, bewertet dann teilweise Skripte. Ist ein Willkommensrabatt an das neue Konto gebunden, lässt er sich über viele Konten mehrfach abholen. Wie sich Neukundencodes dagegen absichern lassen, steht im Beitrag zu Rabattcodes in der Black Week; hier geht es um das Konto selbst.
Wenn der Shop zum Werkzeug gegen Dritte wird
Bot-Registrierungen erkennen
Kein einzelnes Merkmal beweist ein Scheinkonto. Belastbar wird das Bild erst, wenn mehrere Signale zusammenkommen. Die W3C-Note zur Unzugänglichkeit von CAPTCHA nennt genau solche Heuristiken: die Menge der angefragten Daten, typische Seitenfolgen, IP-Adressen und die Art der Dateneingabe (W3C). Für den Shop lassen sich daraus fünf Signale ableiten, die ohne zusätzliche Dienste messbar sind:
- Registrierungsspitzen ohne Bestellungen: Die Zahl der Neukonten je Stunde springt auf ein Vielfaches des Üblichen, ohne dass Warenkörbe oder Bestellungen folgen. Auffällig ist auch ein gleichmäßiger Takt rund um die Uhr, den echte Kunden selten erzeugen.
- Wegwerf- und Fantasiedomains: Adressen bei Diensten für Einmal-Postfächer, Domains ohne Mailserver oder Zeichenfolgen ohne erkennbaren Namen vor dem @. Ob eine Domain überhaupt Mail annimmt, lässt sich per DNS prüfen.
- Links und Werbetext in Namensfeldern: etwa ein Vorname „Bonus abholen“ und ein Nachname mit Webadresse. Ziel ist meist die Willkommensmail: Der Shop setzt den Namen in die Anrede und verschickt den Werbetext unter eigenem Absender.
- Viele Konten aus derselben Adressgruppe: mehrere Registrierungen aus einem Netzbereich in kurzer Folge. Je nach Einstellung speichert Shopware die IP-Adresse vollständig oder mit anonymisierten letzten Segmenten (Shopware-Dokumentation). Für die Gruppierung nach Netzbereich reicht diese Fassung in der Regel aus.
- Unbestätigte Konten: Ist die Bestätigung per E-Mail aktiv, bleiben Konten mit Fantasieadressen dauerhaft unbestätigt. Ein wachsender Bestand unbestätigter Konten ist selbst ein Signal.
| Signal | Wie messen | Fehlalarm möglich durch | Angemessene Reaktion |
|---|---|---|---|
| Spitze je Stunde | Neue Konten gegen den eigenen Normalverlauf | Newsletter, Werbung, Medienbericht | Alarm, Formular und Logs prüfen |
| Wegwerf-Domain | Abgleich der Domain und DNS-Abfrage | Kunden, die solche Adressen bewusst nutzen | Bestätigung verlangen, Rabatt erst nach Bestellung |
| Link im Namensfeld | Muster wie http, www oder eine Domainendung im Namen | selten | Eingabe mit verständlichem Hinweis abweisen |
| Gleiche Adressgruppe | Konten je gekürztem Netzbereich und Stunde | Firmennetze, Mobilfunk, öffentliche WLANs | drosseln statt sperren |
| Unbestätigtes Konto | Anteil unbestätigter Konten nach Ablauf der Bestätigungsfrist | Bestätigungsmail im Spamordner | nach der Frist löschen, nicht anschreiben |
Die Spalte mit den Fehlalarmen ist kein Beiwerk. Mobilfunkanbieter und Firmennetze bündeln viele Menschen hinter wenigen öffentlichen Adressen. Ein Netzbereich mit vielen Anmeldungen kann darum auch eine Belegschaft sein, die gerade dieselbe Mail mit einem Aktionslink bekommen hat. Deshalb führen einzelne Signale zu Prüfung und Drosselung, erst die Kombination mehrerer Signale zu Sperren.
Gegenmaßnahmen ohne Hürde für echte Kunden
Die Reihenfolge der Maßnahmen entscheidet darüber, wer sie zu spüren bekommt. Sinnvoll ist ein Aufbau, der mit Schutz beginnt, den echte Kunden gar nicht bemerken. Der Branchenverband M3AAWG empfiehlt ausdrücklich, mehrere Lösungen zu kombinieren, weil ein Formular mit mehreren Hürden schwerer für Missbrauch einzuspannen ist (M3AAWG).
Bestätigungsmail vor dem ersten Login
Das Konto wird erst aktiv, wenn der Link in der Bestätigungsmail angeklickt ist. Shopware bietet dafür die Option Double-Opt-in bei der Registrierung: Nach dem Absenden des Formulars erhält der Kunde eine E-Mail mit einem Link, über den er die Registrierung abschließt (Shopware-Dokumentation). M3AAWG bezeichnet das bestätigte Verfahren als höchsten Standard, weil es Tippfehler und böswillig eingetragene Adressen aus laufenden Versendungen heraushält (M3AAWG).
Zwei Details entscheiden über die Wirkung. Die Bestätigungsmail sollte schlicht und frei von Werbung sein, damit sie nicht selbst als Missbrauch gefiltert wird (M3AAWG). Und sie sollte keine frei eingegebenen Felder wie den Namen wiedergeben, sonst verschickt der Shop den Werbetext aus dem Namensfeld gleich mit der ersten Mail. Auf WordPress-Websites ohne Kundenkonten ist die einfachste Maßnahme, die offene Registrierung abzuschalten: Die Einstellung „Anyone can register“ in den allgemeinen Einstellungen entscheidet, ob sich jeder ein Konto anlegen kann (WordPress-Dokumentation).
Ratenbegrenzung am Formular
Ein Mensch registriert sich einmal, ein Skript schickt das Formular in Serie ab. Eine Ratenbegrenzung je Netzadresse setzt genau an diesem Unterschied an. M3AAWG empfiehlt Grenzen, die das wiederholte Absenden von derselben IP-Adresse innerhalb eines Zeitraums verhindern (M3AAWG). In nginx übernimmt das Modul ngx_http_limit_req_module diese Aufgabe: Es begrenzt die Verarbeitungsrate von Anfragen je Schlüssel, insbesondere je IP-Adresse (nginx-Dokumentation). Langsame Raten werden dort pro Minute angegeben, und Anfragen mit leerem Schlüssel zählt das Modul nicht mit (nginx-Dokumentation). Damit lässt sich die Grenze auf das Absenden des Formulars beschränken, während der Seitenaufruf frei bleibt.
# http-Kontext: gezählt wird nur das Absenden (POST), der Seitenaufruf bleibt frei
map $request_method $register_limit_key {
POST $binary_remote_addr;
default "";
}
limit_req_zone $register_limit_key zone=register:10m rate=6r/m;
# server-Kontext des Shops: Formular der Storefront und Store-API
location ~ ^(/store-api)?/account/register$ {
limit_req zone=register burst=5 nodelay;
limit_req_status 429;
# limit_req_dry_run on; # zum Kalibrieren: zählen, nicht abweisen
try_files $uri /index.php$is_args$args;
}Die Werte im Beispiel sind ein Ausgangspunkt, keine Vorgabe für jeden Shop. Ohne eigene Angabe antwortet nginx abgewiesenen Anfragen mit dem Status 503 (nginx-Dokumentation). Passender ist 429 Too Many Requests: Der Code zeigt an, dass in einem bestimmten Zeitraum zu viele Anfragen gesendet wurden (RFC 6585). Die Antwortseite sollte die Lage in Klartext erklären, und Antworten mit diesem Status dürfen nicht von einem Cache gespeichert werden (RFC 6585). Mit limit_req_dry_run lässt sich die Regel zunächst im Probebetrieb fahren: Anfragen werden nicht begrenzt, Überschreitungen aber gezählt (nginx-Dokumentation).
Zwei Fallstricke gehören zur Einrichtung. Steht ein Proxy oder Lastverteiler vor dem Shop, muss nginx die echte Besucheradresse kennen, sonst teilen sich alle Kunden einen Zähler. Und Shopware nimmt Registrierungen nicht nur über das Formular der Storefront an, sondern auch über die Store-API; die Begrenzung muss beide Wege abdecken. Eine WAF mit Bot-Schutz ergänzt die Ratenbegrenzung um allgemeinere Regeln gegen automatisierte Zugriffe.
Unsichtbares Feld und Zeitprüfung
Ein Honeypot ist ein Formularfeld, das Menschen nicht sehen, Skripte aber ausfüllen. Shopware bringt diese Variante unter den Captcha-Lösungen mit: Ein zusätzliches unsichtbares Feld wird angeboten, Bots und Skripte füllen es aus und werden abgewiesen (Shopware-Dokumentation). Die W3C-Note zu CAPTCHA hält den Ansatz für leicht umsetzbar, selbst in handgeschriebenem Markup, und empfiehlt, ihn zu erwägen (W3C).
Damit das Feld keine echten Kunden trifft, braucht es drei Vorkehrungen: Es muss auch für Screenreader ausgeblendet sein, darf per Tabulatortaste nicht erreichbar sein, und die Autovervollständigung des Browsers darf es nicht befüllen. Fehlt eine davon, fällt ausgerechnet ein Kunde mit Hilfsmittel oder Passwortmanager durch die Prüfung. Ergänzend misst eine Zeitprüfung, wie viel Zeit zwischen Seitenaufruf und Absenden vergeht. M3AAWG empfiehlt, Einsendungen zu verwerfen, die schneller kommen als eine realistische Ausfüllzeit oder bei denen die Zeitangabe ganz fehlt (M3AAWG). Die Grenze sollte großzügig gewählt sein, denn Autovervollständigung füllt ein Formular in Sekunden.
E-Mail-Domain prüfen, ohne zu raten
Eine Adresse, deren Domain keine Mail annimmt, kann kein Konto bestätigen. RFC 7505 beschreibt dafür den sogenannten Null-MX-Eintrag: Eine Domain, die keine E-Mail annimmt, veröffentlicht einen einzigen MX-Eintrag mit der Präferenz 0 und einem leeren Ziel, geschrieben als Punkt (RFC 7505). Das Fehlen eines MX-Eintrags allein ist dagegen kein Ablehnungsgrund, denn die Zustellung fällt dann auf den A- oder AAAA-Eintrag der Domain zurück (RFC 7505). Abweisen lassen sich also Domains mit Null-MX und Domains, die gar nicht auflösen, nicht aber jede Domain ohne MX-Eintrag.
Bei Wegwerf-Domains ist Zurückhaltung angebracht. Sperrlisten veralten schnell und treffen auch Kunden, die solche Adressen bewusst zum Schutz ihrer Daten nutzen. Sinnvoller ist, die Bestätigung zu verlangen und Vorteile wie einen Willkommensrabatt erst mit der ersten bezahlten Bestellung freizugeben. Dann lohnt sich ein Scheinkonto für den Rabatt nicht mehr, und der Kunde mit Einmal-Adresse kann trotzdem kaufen.
Barrierearm prüfen statt Rätsel stellen
Bilderrätsel sind eine verbreitete Gegenmaßnahme, allerdings eine mit deutlichen Nebenwirkungen. Die WCAG 2.2 verlangen für CAPTCHA in Erfolgskriterium 1.1.1 Textalternativen, die den Zweck beschreiben, und alternative Formen für unterschiedliche Sinneswahrnehmungen (W3C). Shopware führt neben dem Honeypot eine Basic CAPTCHA, die eine verzerrte Kombination aus Ziffern und Buchstaben als Grafik zeigt, die der Besucher exakt abtippen muss (Shopware-Dokumentation). Für sich genommen ist das eine rein visuelle Prüfung. Wer sie einsetzt, braucht eine gleichwertige Alternative für Menschen, die das Bild nicht lesen können.
Setzt der Shop dieselbe Prüfung auch bei der Anmeldung ein, greift zusätzlich Erfolgskriterium 3.3.8: Ein kognitiver Funktionstest wie das Lösen eines Rätsels darf in keinem Schritt einer Anmeldung verlangt werden, es sei denn, der Schritt bietet eine andere Methode ohne solchen Test oder eine Hilfe dazu; Ausnahmen gelten für das Erkennen von Objekten und eigener Inhalte (W3C). Die W3C-Note zur Unzugänglichkeit von CAPTCHA zieht unabhängig davon eine klare Linie: Nutzer sollen nicht über das hinaus belastet werden, was die Sicherheit tatsächlich erfordert, und wenn ein Honeypot genügt, soll es beim Honeypot bleiben, bis belegte Angriffe etwas anderes verlangen (W3C).
Externe Prüfdienste, die im Hintergrund Verhalten und Gerätedaten auswerten, verlagern das Problem oft nur. Sie übertragen Daten an Dritte und brauchen eine eigene datenschutzrechtliche Prüfung. In der Regel ist die Kombination aus Bestätigungsmail, Ratenbegrenzung und Honeypot der bessere Ausgangspunkt; ein Rätsel kommt erst dazu, wenn die Messung zeigt, dass diese drei nicht reichen, und dann mit barrierearmer Alternative. Seit das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz für viele Shops gilt, ist eine unzugängliche Registrierung mehr als ein Komfortproblem. Wie Barrierefreiheit im laufenden Betrieb erhalten bleibt, beschreibt der Beitrag BFSG-Pflicht: Barrierefreiheit im Shop dauerhaft sichern.
Scheinkonten datenschutzkonform bereinigen
Ist eine Welle durchgelaufen, bleiben die Konten im Bestand. Löschen ist richtig, aber nicht pauschal. Art. 5 Abs. 1 lit. d DSGVO verlangt, dass personenbezogene Daten sachlich richtig sind und unrichtige Daten unverzüglich gelöscht oder berichtigt werden (DSGVO). Ein Konto mit erfundenem Namen und fremder Adresse ist genau ein solcher Datensatz, sofern es eine echte Person betrifft. Der Grundsatz der Datenminimierung aus Art. 5 Abs. 1 lit. c DSGVO begrenzt zugleich die Analyse: Ausgewertet wird, was zum Nachweis des Musters nötig ist (DSGVO).
- Abgrenzen: Kriterien festlegen, etwa Zeitraum der Welle, unbestätigt, ohne Bestellung und eines der Signale von oben, und die Treffer zählen, bevor etwas gelöscht wird.
- Unbestätigte Konten ohne Bestellung löschen: Sie enthalten keine Geschäftsvorfälle. Newsletter-Einträge derselben Adressen werden mit entfernt.
- Konten mit Bestellung sperren statt löschen: Buchungsbelege sind nach § 147 Abs. 3 AO acht Jahre aufzubewahren (AO). Auch Shopware weist darauf hin, dass beim Löschen eines Kundenkontos Daten mit gesetzlicher Aufbewahrungsfrist wie Bestellinformationen erhalten bleiben (Shopware-Dokumentation).
- Keine Massenmail an die Adressen: Eine Nachricht über die Löschung an viele fremde Adressen erzeugt genau die Beschwerden, die vermieden werden sollen.
- Protokollieren: Kriterien, Anzahl, Zeitpunkt und ausführende Person festhalten, ohne die gelöschten Inhalte im Protokoll zu wiederholen.
- Sicherungen einplanen: Gelöschte Konten liegen in Backups, bis diese turnusgemäß überschrieben werden. Wie Aufbewahrung und Löschung bei Sicherungen zusammenpassen, beschreibt der Beitrag zu DSGVO-konformer Datensicherung.
Meldet sich ein Mensch, dessen Adresse ohne sein Wissen verwendet wurde, und verlangt Auskunft oder Löschung, läuft die Frist aus Art. 12 Abs. 3 DSGVO: Informationen über die ergriffenen Maßnahmen sind unverzüglich, spätestens innerhalb eines Monats nach Eingang des Antrags zu geben (DSGVO). Eine vorbereitete Antwort für genau diesen Fall spart dann Zeit und Rückfragen. Für die Auswertung einer Welle werden außerdem Server-Logs gebraucht; wie lange IP-Adressen dort liegen dürfen, beschreibt der Beitrag Server-Logs im Shop.
Eine Alarmschwelle für Neuregistrierungen
Oft fällt eine Welle erst auf, wenn der nächste Newsletter Bounces und Beschwerden produziert. Früher meldet sich eine Kennzahl, die direkt am Formular misst: neue Konten je Stunde und je Tag, verglichen mit dem eigenen Normalverlauf. M3AAWG zählt die Überwachung von Anmeldeformularen ausdrücklich zu den Maßnahmen, mit denen sich Bot-Missbrauch erkennen lässt (M3AAWG). Eingerichtet wird die Schwelle in fünf Schritten:
Normalverlauf messen
Neue Konten je Stunde über mehrere Wochen erfassen, getrennt nach Wochentag und Tageszeit. Aktionswochen gesondert betrachten, damit sie den Normalwert nicht verzerren.
Schwelle festlegen
Alarm bei einem Mehrfachen des üblichen Werts der jeweiligen Stunde, kombiniert mit einer Mindestzahl, damit nachts nicht schon wenige Anmeldungen einen Alarm auslösen.
Bestätigungsquote dazunehmen
Den Anteil bestätigter Konten mitführen. Steigt die Zahl der Neukonten, während der Anteil bestätigter Konten fällt, spricht das deutlich für ein Skript.
Aktionen vormerken
Newsletter, Werbung oder Medienberichte erzeugen echte Spitzen. Geplante Aktionen im Monitoring vormerken, damit niemand echte Kunden drosselt.
Reaktion festlegen
Vorab klären, wer prüft, wer die Ratenbegrenzung verschärft und wer bereinigt. Der Ablauf steht, bevor die erste Welle kommt.
Neue Konten je Stunde über mehrere Wochen erfassen, getrennt nach Wochentag und Tageszeit. Aktionswochen gesondert betrachten, damit sie den Normalwert nicht verzerren.
Alarm bei einem Mehrfachen des üblichen Werts der jeweiligen Stunde, kombiniert mit einer Mindestzahl, damit nachts nicht schon wenige Anmeldungen einen Alarm auslösen.
Den Anteil bestätigter Konten mitführen. Steigt die Zahl der Neukonten, während der Anteil bestätigter Konten fällt, spricht das deutlich für ein Skript.
Newsletter, Werbung oder Medienberichte erzeugen echte Spitzen. Geplante Aktionen im Monitoring vormerken, damit niemand echte Kunden drosselt.
Vorab klären, wer prüft, wer die Ratenbegrenzung verschärft und wer bereinigt. Der Ablauf steht, bevor die erste Welle kommt.
Technisch genügt dafür oft eine Abfrage auf die Kundentabelle oder eine Auswertung der Logzeilen für den Registrierungspfad. Wie Logauswertung und Alarmierung zusammenspielen, zeigt der Beitrag zu Log-Monitoring und Alerting. Dieselbe Logik aus Normalverlauf und Spitze schützt auch den Bezahlvorgang vor Card-Testing-Angriffen. Bei IPv6 kommt ein Punkt hinzu: Angreifer wechseln dort leicht die Adresse innerhalb ihres Netzbereichs. Eine Begrenzung je Einzeladresse greift dann schwächer, und die Alarmschwelle auf die Gesamtzahl wird umso wichtiger.
Was die Wartung dabei übernimmt
Registrierungsschutz ist keine einmalige Einstellung. Updates können Formulare verändern, Erweiterungen öffnen neue Anmeldewege, etwa ein Newsletterfeld im Fußbereich, und Angreifer passen ihre Skripte an die Abwehr an. Sicherheitsaktualisierungen für Shopsystem und Erweiterungen spielen wir über die Sicherheitsupdates nach einem Test auf einer Staging-Umgebung ein und prüfen danach die Funktionen des Shops. In der Shopware-Wartung läuft jedes Update zuerst auf einer Staging-Umgebung, ergänzt um manuelle Tests für individuelle Anpassungen; dort gehört die Registrierung samt Bestätigungsmail auf die Prüfliste. In der WordPress-Wartung zählen Formulare ausdrücklich zu den automatisierten Prüfungen.
Bestätigungsmail
Konto erst nach Klick aktiv, Mail ohne Werbung und ohne frei eingegebene Felder.
Ratenbegrenzung
Absenden je Netzadresse begrenzt, Antwort mit Status 429 und verständlichem Hinweis.
Unsichtbares Feld
Honeypot, der auch für Screenreader und Autovervollständigung verborgen bleibt.
Domainprüfung
Null-MX und nicht auflösende Domains abweisen, Wegwerf-Adressen nicht pauschal sperren.
Alarmschwelle
Neukonten je Stunde gegen den Normalverlauf, dazu der Anteil bestätigter Konten.
Bereinigung
Löschen nach Kriterien, Konten mit Bestellung sperren, alles im Protokoll festhalten.
Im Monitoring lassen sich Neuregistrierungen und Bestätigungsquote als anwendungsspezifische Kennzahlen mit eigener Alarmschwelle führen, kalibriert am Lastprofil des Shops. Bei Double-Opt-in und Löschfristen unterstützen die DSGVO-Updates. Welche Leistungen in welchem Umfang enthalten sind, regelt der SLA-Wartungsvertrag; einen Überblick über alle Bausteine gibt die Seite Leistungen.
Quellen
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